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HR, S/4HANA, SAP HCM, Zeitwirtschaft

SAP S/4HANA: Drei Neuerungen in der Zeitwirtschaft

Mit dem SAP-Hinweis 3164668 „Neue Funktionalitäten im Umfeld der Zeitwirtschaft” beschreibt SAP drei Verbesserungen für die Zeitdatenerfassung und die Zeitauswertung: Pausen lassen sich im Infotyp 2002 jetzt auch über PA30 erfassen, die Zeitauswertung bricht bei fehlerhaften Personalnummern nicht mehr komplett ab, und die Kollisionsprüfung der Zeitinfotypen bekommt ein neues, flexibleres Customizing. Vor allem der dritte Punkt hat es in sich: Wer die Umstellung übersieht, kann plötzlich keine Zeitdaten mehr erfassen. Im Folgenden finden Sie die Änderungen im Überblick – und für die Kollisionsprüfung eine Anleitung aus der Praxis.

Für wen gelten die Neuerungen?

Die Auslieferung erfolgt laut Hinweis mit SAP S/4HANA. Für die neue Kollisionsprüfung (Punkt 3) muss zusätzlich die Business Function H4S4_1 aktiv sein. Seit SAP S/4HANA 2025 ist das standardmäßig der Fall – mehr dazu in unserem Artikel Neuerungen in SAP S/4HANA 2025 für das HCM. Wer auf SAP S/4HANA 2025 geht, kommt an Punkt 3 also nicht vorbei.

Ein Überblick

Auf folgende Änderungen gehen wir in diesem Blogartikel ein. Per Klick auf den jeweiligen Aufzählungspunkt springen Sie direkt zu dieser Änderung:

  • Pausen im Infotyp 2002: jetzt auch in PA30 und HR Renewal
  • Zeitauswertung (RPTIME00): kein Jobabbruch mehr bei fehlerhaften Personalnummern
  • Kollisionsprüfung von Zeitinfotypen: neues Customizing ohne 50-Einträge-Grenze
  • Typisches Fehlerbild: „Kein Eintrag in Tabelle T554Y_REAC vorhanden”

1. Pausen im Infotyp 2002: jetzt auch in PA30 und HR Renewal

Pausen können in den Infotypen 2002 (Anwesenheiten), 2003 (Vertretungen) und 2005 (Mehrarbeiten) erfasst werden. Beim Infotyp 2002 ging das bisher nur im Arbeitsplatz Personalzeitmanagement (Transaktion PTMW) vollständig. In den Transaktionen PA30 ff. und in der HR-Renewal-Anwendung war die Pausenerfassung nur eingeschränkt möglich – und das System verhielt sich beim Anlegen, Ändern und Anzeigen unterschiedlich.

Damit ist jetzt Schluss: Die Pausenfelder für den Infotyp 2002 stehen auch in den Transaktionen PA20, PA30, PA51 und PA61 sowie in der HR-Renewal-Anwendung im SAP-Standard zur Verfügung. Pausen lassen sich damit direkt dort erfassen, wo die Anwesenheit ohnehin gepflegt wird – ohne Umweg über PTMW.

Im neuen Bildbereich Pausen erfassen Sie bis zu zwei Pausen mit Uhrzeit sowie deren bezahlten und unbezahlten Anteil. Besonders praktisch ist das Kennzeichen keine Pausen: Ist es gesetzt, hat der oder die Mitarbeitende während der gesamten Anwesenheit keine Pause. Das System ignoriert in diesem Fall auch die Pausen aus dem persönlichen Arbeitszeitplan – etwa bei einer Dienstreise oder einem Einsatz, bei dem die üblichen Pausenzeiten nicht gelten.

Hintergrund: Laut SAP wird der Infotyp 2005 für die Erfassung von Mehrarbeit künftig nicht mehr unterstützt und durch den Infotyp 2002 ersetzt. Der Infotyp 2005 war ohnehin nur in PA30 ff. erfassbar – in PTMW und HR Renewal wurde er nie unterstützt.

Technische Einrichtung:

  • PA30 ff.: Im View V_T588M blenden Sie für den Modulpool MP200000 (Dynpro 2050 bzw. 2051) über die Modifikationsgruppe 017 den gesamten Pausenbereich ein oder aus.
  • HR Renewal: Die SAP-Auslieferung ist in den Views V_T588MFROPS bzw. V_T588MUIFPROPS hinterlegt und lässt sich über V_T588MFROPC bzw. V_T588MUIFPROPC kundenspezifisch übersteuern – hier sogar je einzelnem Feld. Achtung: SAP prüft dabei nicht, ob die gewählte Feldkombination sinnvoll ist.

2. Zeitauswertung (RPTIME00): kein Jobabbruch mehr bei fehlerhaften Personalnummern

Bisher: Stieß die Zeitauswertung bei einem Mitarbeitenden auf fehlerhafte oder inkonsistente Daten oder wurden in der Berechnung Grenzwerte überschritten, kam es zu einem Laufzeitfehler (Kurzdump) – und der komplette Job brach ab. Dann hieß es: betroffene Personalnummer über den Kurzdump ermitteln, ausschließen und den Lauf für alle Mitarbeitenden neu starten.

Jetzt: Die Zeitauswertung fängt alle Laufzeitfehler pro Mitarbeitendem ab. Die betroffene Personalnummer wird abgelehnt und als fehlerhaft gekennzeichnet, die Verarbeitung läuft mit dem nächsten Mitarbeitenden weiter. Der Job bricht nicht mehr ab – nur die abgelehnten Personalnummern müssen in einem weiteren Lauf nachverarbeitet werden.

Fehleranalyse: Verarbeiten Sie die abgelehnten Personalnummern erneut mit aktiviertem Ablaufprotokoll. Dort wird der Laufzeitfehler protokolliert, inklusive der Abbruchstelle im Quellcode mit Zeilenangabe. So lässt sich die Ursache direkt im Protokoll nachvollziehen.

Gut zu wissen: Für die Zeitauswertung bei Mehrfachbeschäftigung (RPTIME01) gibt es diese Funktion bereits, siehe SAP-Hinweis 2017812.

3. Kollisionsprüfung von Zeitinfotypen: neues Customizing ohne 50-Einträge-Grenze

Worum geht es? Überschneiden sich zwei Zeitdaten – etwa eine Dienstreise und ein Urlaub am selben Tag –, legt die Kollisionsprüfung fest, wie das System reagiert: den bestehenden Satz abgrenzen, eine Warnung ausgeben oder die Erfassung als fehlerhaft ablehnen.

Bisher wurde das über die Views V_T554Y bzw. V_554Y_B eingestellt. Das ließ nur eine „globale“ Einstellung zu: Subtypen eines Zeitinfotyps wurden zu Zeitbindungsklassen gruppiert, die nur numerisch sein durften – und insgesamt waren maximal 50 Einträge möglich. Dazu kommt: Die beiden Views sind optisch alles andere als einladend. Wer schon einmal versucht hat, darin nachzuvollziehen, welcher Infotyp bei welcher Überschneidung wie reagiert, weiß, wie schnell man dort den Überblick verliert.

Neu ist:

  • Die Grenze von 50 Einträgen entfällt.
  • Zeitbindungsklassen dürfen jetzt auch Buchstaben enthalten (zweistellig alphanumerisch statt rein numerisch).
  • Über die neue Kollisionsgruppe (Modifikator MOCOL) und das gleichnamige Merkmal können Sie unterschiedliche Regeln je Personalbereich, Personalteilbereich und Länderzuordnung abbilden.
  • Als Reaktion stehen A (Abgrenzen), W (Warnmeldung) und E (fehlerhaft) zur Verfügung. Legen Sie für eine Kombination keinen Eintrag an, wertet das System das als N (keine Reaktion).
  • Die neuen Views V_T554Y_REAC bzw. V_T554Y_REAC_B sind deutlich übersichtlicher aufgebaut. Zusätzlich lassen sich die Zeitbindungsklassen im View V_T554Y_KLZBI mit einem Langtext versehen, der anschließend auch in den neuen Views angezeigt wird – in der alten Tabelle gab es das nicht. So steht neben der Klasse nicht mehr nur eine Nummer, sondern direkt, was sich dahinter verbirgt.
Ausschnitt aus neuem View V_T554Y_REAC
Ausschnitt aus neuem View V_T554Y_REAC_B

Unser Tipp: Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Zeitbindungsklassen sprechend zu benennen. Der Aufwand ist überschaubar, und die Kollisionsregeln sind danach auch für Kolleginnen und Kollegen nachvollziehbar, die das Customizing nicht selbst aufgebaut haben.

Die neuen Views im Überblick:

ViewInhalt
V_T554Y_KLZBIZeitbindungsklassen für Zeitinfotypen
V_T554Y_MOCOLKollisionsgruppen (Modifikator MOCOL)
V_T554Y_REACReaktionskennzeichen bei Überschneidung – allgemein
V_T554Y_REAC_BReaktionskennzeichen bei Überschneidung – spezifisch

Welche Tabelle gilt in Ihrem System?

  • Business Function H4S4_1 nicht aktiv: Es bleibt bei der bisherigen Kollisionstabelle V_T554Y bzw. V_554Y_B.
  • Business Function H4S4_1 aktiv oder S/4HANA 2025 im Einsatz: Das System verwendet die neue Tabelle T554Y_REAC (View V_T554Y_REAC). Die bestehenden Einträge müssen dafür zwingend mit dem Report RPU_PT_CONV_T554Y übernommen werden – siehe Anleitung unten.

Die technische Umstellung der Zeitbindungsklassen auf das neue Format übernimmt in beiden Fällen automatisch das XPRA RPU_PT_XPRA_T554Y. Dafür müssen Sie nichts tun.

So gehen Sie bei aktiver H4S4_1 vor

Die beiden neuen Schritte finden Sie im IMG unter Zeitwirtschaft > Zeitdatenerfassung und -verwaltung > Reaktionen bei Überschneidung von Zeitinfotypen festlegen.

Schritt 1: Modifikator für Kollisionsgruppierung festlegen (V_T554Y_MOCOL)

Der Standard-Modifikator ist 00 – der Eintrag muss aber noch angelegt werden. Im Merkmal MOCOL steht der Rückgabewert im Standard für alle auf &MOCOL=00. Anpassen müssen Sie das Merkmal nur, wenn Sie für einzelne Personalbereiche, Personalteilbereiche oder Länder eigene Regeln brauchen.

Schritt 2: Tabelle für die Kollisionsreaktion konvertieren (Report RPU_PT_CONV_T554Y / Transaktion PT_CONV_T554Y)

Führen Sie den Report für die Kollisionsgruppierung 00 aus. Damit werden alle bestehenden Einträge aus der T554Y 1:1 in die neue Tabelle übernommen. Im Feld Mandant ist der aktuelle Mandant vorbelegt. Sie können dort aber auch mehrere Mandanten auf einmal auswählen. Die Einträge werden dann für jeden Mandanten separat übernommen. Eine spezifischere Abbildung per Kollisionsgruppe können Sie auch später noch ergänzen. Der Report lässt sich dafür auch als Kopiervorlage für eine neue Kollisionsgruppe nutzen.

Falls beim Ausführen des Reports die F4-Hilfe einen Kurzdump auslöst: Dafür gibt es den SAP-Hinweis 3299479.

Achtung Transport: Die konvertierte Tabelle wird nicht automatisch in einen Transportauftrag aufgenommen. Nehmen Sie die Einträge entweder manuell in einen Transport auf oder führen Sie den Report in jedem System aus. Innerhalb eines Systems reicht dafür ein Lauf über alle betroffenen Mandanten.

Typisches Fehlerbild: „Kein Eintrag in Tabelle T554Y_REAC vorhanden”

Ist die Business Function H4S4_1 aktiv, die neue Tabelle aber noch nicht befüllt, scheitert schon das Erfassen alltäglicher Zeitdaten. Ein Beispiel aus der Praxis: Beim Erfassen einer Dienstreise im Infotyp 2002 erscheint die Fehlermeldung „Kein Eintrag in Tabelle T554Y_REAC vorhanden”.

Die Lösung sind dann die beiden oben beschriebenen Schritte – Modifikator 00 anlegen und Tabelle konvertieren – und zwar in jedem Mandanten, in dem die Tabelle noch leer ist.


Fazit

Die ersten beiden Punkte des Hinweises sind echte Erleichterungen im Alltag: Pausen im Infotyp 2002 lassen sich endlich auch in PA30 erfassen – wichtig, weil der Infotyp 2005 für Mehrarbeit ausläuft –, und ein einzelner fehlerhafter Mitarbeitender legt nicht mehr den ganzen Zeitauswertungsjob lahm. Der dritte Punkt ist dagegen eine Pflichtaufgabe: Mit aktiver Business Function H4S4_1 – und damit spätestens mit SAP S/4HANA 2025 – greift die neue Kollisionstabelle. Wer sie nicht konvertiert und sauber transportiert, riskiert die Fehlermeldung zu T554Y_REAC schon beim Erfassen alltäglicher Zeitdaten. Die gute Nachricht: Mit zwei Customizing-Schritten ist das schnell erledigt, und die neue Flexibilität bei der Kollisionsprüfung gibt es obendrauf.

Weiterführende Blogartikel

  • S/4HANA: Nicht mehr verfügbare ERP-Funktionen
  • Neuerungen in SAP S/4HANA 2025 für das HCM
  • Neuerungen in SAP S/4HANA 2023 für das HCM
  • Neuer Report zum Vergleich von Schemen unter H4S4

Weiterführende SAP-Hinweise

  • 3164668 – Neue Funktionalitäten im Umfeld der Zeitwirtschaft
  • 1244985 – Limitierte Anzahl von Einträgen in der Tabelle T554Y
  • 3299479 – RPU_PT_CONV_T554Y: Kurzdump beim Betätigen der F4-Hilfe
  • 2017812 – Zeitauswertung bei Mehrfachbeschäftigung (RPTIME01)
  • 3224341 – S4TWL – Teile der Zeitwirtschaft
  • 3139908 – Nicht mehr verfügbare Funktionalität in der Zeitdatenerfassung
29. Oktober 2026/von Ayleen Marahrens
Schlagworte: S/4HANA, Zeitwirtschaft
https://l3consulting.de/wp-content/uploads/2026/10/Zeitwirtschaft_Beitragsbild.jpg 1024 1536 Ayleen Marahrens https://l3consulting.de/wp-content/uploads/2025/08/L3_Consulting_Logo.png Ayleen Marahrens2026-10-29 10:23:322026-10-29 10:32:33SAP S/4HANA: Drei Neuerungen in der Zeitwirtschaft
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